Schrift
Home Literaturverzeichnis Medien Gott Pharaonen&Geschichte Rundplastik Gold der Pharaonen Ärzte Medizin Mumien Architektur Säulen Schrift Priesterinnen

 

Nach oben
Schreiber
Sprache

Schrift

Zur Zeit des Alten Ägypten wuchs in den Sümpfen des Deltas eine im Stengelquerschnitt dreikantig aussehende Papyruspflanze, die zur Herstellung eines beschreibbaren Papyrus verwendet wurde. Die Papyruspflanze (Cyperus papyrus L.) gehört zu der Familie der Riedgräser (Cyperaceen) und kann eine Höhe von ca. 4m erreichen. 


Papyrusherstellung

Während der Papyrusernte wurden die Stengel über der Wurzel abgeschnitten, gebündelt und zur Weiterverarbeitung als Schreibmaterial "Papyrus" abtransportiert. Der frische, im Schnitt dreikantige Schaftstengel musste zuerst geschält und in ca. 40cm lange Abschnitte geteilt werden. Das freiliegende Mark wurde danach in Längsstreifen geschnitten und parallel nebeneinander gelegt, indem ein Streifen den nächsten überdeckte. Anschließend wurde in vertikaler Anordnung eine zweite Lage von Streifen darüber gelegt. Der stärkehaltige Saft der Papyrusstreifen verklebte beim Pressen die beiden Lagen miteinander. Ein Papyrusblatt erhielt seine feine oder grobe Faserstruktur und seine hellgelbe bis braune Farbe je nach der Verwendung des oberen, mittleren oder unteren Stengelschaftes. Nachdem die fest verklebten Papyruslagen getrocknet waren, wurde ihre Oberfläche geglättet und die unregelmäßigen Kanten gerade geschnitten. Je nach Verwendung schwanken die Papyrusformate in ihrer Höhe und Breite. Für längere Schriftstücke wurden mehrere Papyrusseiten ca. 1-2cm überlappend zusammengeklebt. Eine Länge von 20 Papyrusseiten bildeten die Papyrusrolle, die von einer Hülse geschützt in einem Schränkchen aufbewahrt wurde. Als Normgröße für eine Papyrusrolle galt im Alten Reich eine Maße von 23x24cm, im Mittleren Reich 29x30cm und während des Neuen Reiches eine Größe von 38x40cm. Schreiber beschrifteten die Papyrusrolle mit der vorher in die Tinte gehaltenen Binse in Kolumnen von rechts nach links. An den Schriftzügen heute noch erhaltener Papyri ist zu sehen, dass sie ebenso wie die Markfasern des Papyrus horizontal oder vertikal verlaufen können und beim Zusammenrollen des Papyrus nach innen zu liegen kommen. Ein Kapitelanfang wurde mit roter Tinte geschrieben. 
Als Schreibmaterial ist seit dem Alten Reich neben dem Papyrus noch die Verwendung von Leder bekannt und erst kurz nach 200 v. Chr. wurde das, ebenfalls aus Häuten gewonnene Pergament entwickelt. Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. war es Sitte die Papyrusseiten nicht mehr gerollt aufzubewahren, sondern die Seiten, vermutlich nach dem Vorbild der Wachstafeln, aufeinander zu legen.

Eine Wandmalerei im Tempel von ed-Derr zeigt Ramses II. im königlichen Ornat unter dem heiligen Isched-Baum. Hinter ihm steht Gott Thot und notiert die Regierungsjahre des Pharaos auf einer Jahresrispe, an der eine Regierungsjubiläumskapelle befestigt ist.

 

Es ist noch eine weitere Form beschreibbarer Blätter bekannt. Der Gott der Schreiber Thot schrieb während einer Zeremonie den Namen des regierenden Pharaos auf die Jahresrispe oder auf die Blätter des Isched-Baumes, um dem Pharao eine glückliche und lange Regierungszeit zu sichern.  

 


Schriftarten

Die Hieroglyphenschrift entstand in Ägypten um 3000 v. Chr. zur Zeit der letzten drei vordynastischen Könige. Sie stellt typologisch eine gemischte Begriffs- und Lautschrift dar, nach ihrer Gestalt jedoch ist sie eine Bilderschrift. Darin sind die Begriffszeichen "Semogramme" erhalten, die der Semantik einer Sprache dienen und sprachlich bezeichnen, was sie zeigen. Die Lautzeichen oder "Phonogramme" stehen für ein bis mehrere, konsonantische Phoneme, die sogenannten "Ein-, Zwei-, Drei oder Vierkonsonantenzeichen". Determinative stehen als Bedeutung in Verbindung mit den vorausgehenden Hieroglyphen und haben als Einzelobjekte die Bedeutung dessen, was sie darstellen. Kleine, neben- oder untereinander geschriebene Determinativstriche weisen auf die Pluralform der Worte hin.
Von der Hieroglyphenschrift abgeleitet wird die kursive Hieroglyphenschrift, das Hieratisch, in welcher die Bildhaftigkeit nicht ganz verloren ging. Der Ausschnitt dieses Papyrus enthält den in hieratischer Schrift niedergeschriebenen Bericht der Schlacht von Kadesch zur Zeit Ramses II.

Infolge mangelnder Schriftkenntnis nimmt die Qualität der Texte im 2. Jahrhundert n. Chr. ab. Die letzte hieroglyphische Inschrift wird in das Jahr 394 n. Chr. datiert und ist im Tempel von Philae zu sehen. Die demotische Schrift gilt als Volksschrift, da sie vorwiegend für administrative, juristische und kommerzielle Zwecke Verwendung fand. Sie läßt sich in 3 Schriftperioden mit stufenlosen Übergängen einteilen: die frühdemotische Saitenzeit, die mitteldemotische Ptolemäerzeit und die spätdemotische Römerzeit. Ihre demotisch kursive Form verwilderte in römischer Zeit und wurde im 5. nachchristlichen Jahrhundert (452 n. Chr.) durch die koptische Schrift, dem griechischen Alphabet zuzüglich 6 aus dem Demotischen abgeleitete Schriftzeichen, abgelöst. 
In der Spätantike geht die Kenntnis der Hieroglyphenschrift vollständig verloren, wobei ein Interesse an den Symbolen als Ausdruck tiefer Gedanken bis in das 18. Jahrhundert hinein bestehen bleibt. 

Erst als im Jahre 1822 Jean-François Champollion den, von einem Soldaten der napoleonischen Armee gefundenen Stein von Rosette übersetzte und die Hieroglyphenschrift bis auf ein paar ungelöste Probleme entziffern konnte, lebte die Hieroglyphenschrift wieder auf. Seine letzten Übersetzungsprobleme löste nach Champollions Tod sein Schüler Richard Lepsius im Jahre 1837.